Kommunikationswissenschaft

Kennt “Wer-kennt-wen” dich schon?

Carsten vom 12. June 2008

Falls dir diese Überschrift nichts sagt, dann besteht dringender Nachholbedarf. Wer-kennt-wen ist der neue Stern am Social Network Himmel und besitzt eine Wachstumsrate die momentan alle anderen Netzwerke übersteigt.

Laut aktueller Pressemitteilung (1. Juni 2008) sind momentan 2.800.000 Menschen angemeldet. Diese Zahl alleine ist natürlich nichts besonderes, aber wenn man bedenkt, dass die Plattform erst seit Herbst 2006 läuft ist dies schon eine gute Leistung. Da auf jede Art von Werbung verzichtet wurde und allein auf die virale Verbreitung gesetzt wird steigen die Nutzerzahlen in den letzten paar Monaten extrem an, dass klassische Schneeballprinzip eben. Was sich aber eine kleine Besonderheit in dem Netzwerk ist, ist die lange Verweildauer der Benutzer auf der Seite. Diese Beträgt stolze 287 Minuten pro Monat und schlägt damit alle anderen Netzwerke um längen.

Im Basic Thinking Blog große, deutsche Social Networks: Nutzer und Verweildauer als auch beim Netzökonom Holger Schmidt wird dieses auch angesprochen aber leider kein Ansatz dafür gegeben wieso das so ist.

Hierzu mein Interpretationsansatz: Das die Leute so lange auf der Seite bleiben, weil sie so kompliziert ist, kann ich ausschließen, sondern viel mehr ist genau das Gegenteil ist der Fall. Die Seite ist einfach aufgebaut und wirklich jeder kann sie benutzten. Deshalb sind dort auch extrem viele ältere Leute angemeldet, die sich eigentlich nicht mit dem Internet beschäftigen. Ich konnte dies im Bereich meiner Familie erleben und Bekannten und Freunden ging es genauso. Genau aus dieser Erfahrung behaupte ich einfach mal das die lange Verweildauer zustande kommt, weil für die angesprochenen Laien alles neu ist und sie sich deshalb länger damit beschäftigen, viele können noch nicht richtig mit dem PC umgehen, also mit der Maus und vor allem Nachrichten schreiben dauert dank “ein Finger Suchsystem” viel länger als bei “normalen” Usern.

Leider kann ich meine These nicht beweisen, aber wenn die WKW Welle vielleicht über ganz Deutschland rollt können einige, die diesen Beitrag gelesen haben, ja von gleichen Beobachtungen berichten. Ich freue mich schon eure Erfahrungen zu lesen.

Carsten
Student der Universität der Bundeswehr München
Frühjahrstrimester 2008 studium+ Kurs Dr. Barbara Niedner


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Kommentare

  • Nicolas Fischer

    12. June 2008



    Gut möglich, dass der Erfolg von “wer-kennt-wen” auf die Einfachheit der Seite zurückzuführen ist und erstmals, wie von dir ja schon angesprochen, die etwas unerfahreneren Internet-Nutzer an sich bindet. Die Attraktivität, die “social networks” wie studivz oder Lokalisten allgemein haben, bleibt natürlich auch hier erhalten.


  • Marcus Wohler

    12. June 2008



    So eine hohe Wachstumsrate überrascht mich. Zuerst dachte ich “nicht schon wieder ein social network”. Aber wie es scheint, gibt es doch noch Zielgruppen, die mit den bislang existierenden Networks nicht angesprochen werden konnten. Du führst ja auch an, dass vor allem ältere Menschen dort angemeldet sind. Allerdings denke ich, wenn die bisherigen Laien sich erst einmal mit den social networks vertraut gemacht haben, wird die Verweildauer sinken und sich der von vergleichbaren social networks wie lokalisten oder studiVZ bzw. meinVZ annähern.


  • Florian Braun

    13. June 2008



    Hallo,

    ich schreibe gerade meine Diplomarbeit über “Web 2.0 am Beispiel studiVZ” und beobachte wkw auch schon seit 1 Jahr. Au meiner Sicht ist wkw mittlerweile der Hauptkonkurrent für studiVZ in Deutschland, gefolgt von Facebook (auch wenn der Start in D. schlecht war). Zwar hat studiVZ mit Schülern und Studenten eine andere Zielgruppe aber sollte es wkw gelingen sich auch in anderen Regionen als in Südwestdeutschland auszubreiten, dann dürfte dies studiVZ gerade bei meinVZ stark zu spüren bekommen. Dies könnte sich auch durch schwächere PIs bei studiVZ und schülerVZ bemerkbar machen. Es wird also sehr spannend.

    Zur Verweildauer:
    @ Carsten
    Ich glaube schon, dass die Verweildauer auch mit der Nutzererfahrung zusammenhängen kann.

    Für mich aber das wichtigere Argument ist die Tatsache, dass es im Gegensatz zu anderen Social Networks nicht um den Aufbau eines Freundesnetzwerkes geht sonder vielmehr um Leute, die man allein schon vom sehen her kennt (obwohl man mit manchen womöglich noch kein Wort gewechselt hat). Die Hemmschwelle, einen User hinzuzufügen ist wesentlich geringer als bei Freundschaften. Dies führt dazu, dass bei wkw die durchschnittliche Anzahl von Bekannten wesentlich höher ist, als die Anzahl der Freunde z.b. bei studiVZ. Das bedeutet auch, dass der Aufbau des Netzwerkes bei wkw dementsprechend mehr Zeit kostet, weil man nach Anmeldung fast täglich neue Mails mit “X kennt Dich” bekommt. Dies führt zwangsläufig zu einer höheren Verweildauer.

    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das wkw bald komplett von RTL übernommen wird und dann auch im TV das Netzwerk bewirbt.


  • Barbara Niedner

    14. June 2008



    Vielen Dank Florian für Deinen ausführlichen Bericht. Das ist wirklich sehr spannend. Wünsch Dir auf jeden Fall viel Erfolg mit Deiner Diplomarbeit!


  • Carsten

    14. June 2008



    Vielen Dank Florian für diesen sehr guten Beitrag, du beschreibst genau was ich selbst auch schon beobachtet habe. Ich wünsche dir auch viel Erfolg mit der Diplomarbeit.
    Außerdem möchte ich mich auch bei Herrn Basic für die Erwähnung in seinem Blog bedanken.
    Die Entwicklung von WKW bleibt also interessant und ich bin gespannt, wann es in der Bild als Volks-Social Network angepriesen wird ;-)


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