So toll das Web 2.0 auch ist, und so primitiv das Web 1.0 auch ist, so schlecht kann das Web 2.0 sein, und so gut kann das Web 1.0 sein.
Wäre es nicht also sinnvoll beides miteinander zu verknüpfen? Wahrscheinlich schon, warum soll man nicht eine alte Plattform nutzen und moderne Eigenschaften integrieren.
Ein Forum ist durch kein Wiki ersetzbar, und der Inhalt eines Wiki’s kann nicht durch ein Forum gestaltet werden, aber wenn der Begriff Web 2.0 dafür steht dass jeder im weltweiten Netz eine Seite mit Inhalt füllt, dann hat die Gamestar gerade genau die richtige Alternative zwischen der “alten” und der “neuen” Generation des Internets gefunden.
Wie soll man sich das jetzt vorstellen?
Die Gamestar (Fachzeitschrift für Computerspiele) führt seit einigen Jahren sehr erfolgreich ein Forum, welches zu den 5 größten in ganz Deutschland gehört. Die Anzahl an Benutzern zeigt dass auf solche alten, fast rückständigen Plattformen des Internets immernoch nicht verzichtet werden kann.
Die Verknüpfung mit dem Web 2.0 begann am 17.03.2008, als das Forum in einem neuen Design der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, der Knackpunkt an der Sache ist, dass jeder Benutzer jetzt einen anderen Benutzer bewerten kann.
Das Innovative an der Sache ist, dass der sogenannte “E-Penis” (E-Penis – Sozialer Status im Internet) zu früheren Zeiten einzig und allein dadurch bestimmt wurde, dass derjenige, der länger dabei ist und einen größeren Counter (Anzahl der Beiträge in diesem Forum) hat, generell Recht bekommt. Das ändert sich jetzt, wenn ein sogenannter “Big-Counter” (Benutzer mit sehr vielen Beiträgen) keine Kompetenz in Diskussionen hat, oder sich generell nur daneben benimmt, gibt es dann ähnlich dem e-bay System eine schlechte Bewertung.
Dabei ist das nicht die erste Sache an Web 2.0 die vom Gamestar Forum ausgeht, Benutzer des Forums haben schon einige Projekte ins Leben gerufen, die durch das Web 2.0 gestaltet sind, aber mit dem Leben einer Web 1.0 Plattform gefüllt wurden, dazu zählt unter anderem eine Seite welche sich ausschließlich mit Zitaten der Nutzer befasst, eine eigene Fotogalerie und vieles mehr.
Was die Nutzer vorgemacht haben hat die Gamestar also aufgegriffen, der einfache “plumpe” Austausch in Foren ist dadurch eingeschränkt dass man auf den ersten Blick sehen kann, wie gut ein Nutzer bewertet ist, und dementsprechend viel oder wenig von seiner Antwort auf eine Frage, oder ein Diskussionsthema halten.
Das Bedürfnis nach einer solchen Änderung ist schon des öfteren laut geworden. Nach Vorschlägen für eine externe Anwendung hat sich die Gamestar nun entschlossen dies selbst in die Plattform zu integrieren.
Dadurch sollte man das Web 2.0 allerdings noch lange nicht für “überflüssig” befinden, genausowenig wie man das Web 1.0 für tot erklären sollte, aber es zeigt sich, dass die Zukunft des Internets wahrscheinlich daran liegt beide Möglichkeiten bestmöglich zu verbinden, in dieser Hinsicht hat die Gamestar meiner Meinung nach einen sehr großen Schritt vorwärts gemacht, der die Kommunikation deutlich verändern wird.
Die Version befindet sich bisher allerdings noch in der Testphase, da ein Neustart einer Plattform immer neue “Kinderkrankheiten” mit sich führt, die allerdings für gewöhnlich schnell beseitigt sind.
Ich persönlich halte das ganze für sehr sinnvoll, denn was bis jetzt nur für ein Forum vorhanden ist, kann morgen vielleicht schon Wirklichkeit in einem Unternehmen sein, in dem sich die Mitarbeiter untereinander bewerten. Statt frei nach dem Motto “die Weisheit der Vielen” sollte vielleicht der Begriff “die Objektivität der Vielen” geprägt werden, da viele kleine subjektive Bewertungen eine große Objektivität erstellen. Generell sollte man dieses Projekt also aufmerksam verfolgen. Wer weiss, ob er nicht selbst mal über diese Möglichkeit die nächste Gehaltsstufe erreicht.
Stefan Schmidt, WOW Student, Universität der Bundeswehr in München
studium+ Kurs Dr. Barbara Niedner